Mein Döblinger Traum

Als mir meine Tanten Bilder vom alten Döbling mit dem 39er Triebwagen samt Gans Lili bei der Endstelle in Sievering, der Bensdorp Schokoladen-Fabrik in der Hutweidengasse und dem Olympia-Kino (dem heutigen Denns Supermarkt) zeigten, fiel mir eines auf. Die Straßen waren richtig breit und wurden von zu Fuß Gehenden, Ball spielenden Kindern und Menschen, die sich zum Plaudern trafen genutzt. Das Miteinander auch mit den motorisierten Verkehrsteilnehmenden war selbstverständlich.

Grinzing 1958, © Archiv Alliance For Nature

Grinzing 1958, © Archiv Alliance For Nature

Zurück in die Zukunft. Freitagnacht auf meiner Radfahrt nach Hause über die Weimarer Straße erinnert mich manches an die alten Fotos. Während auf der Währinger Seite die Kreuzungen einsichtig sind und angenehm Platz für Entgegenkommende ist, heißt es ab der Hasenauer Straße (der Bezirksgrenze zu Döbling und damit dem Ende der flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung) besonders vorsichtig sein, da Kreuzungen und Einfahrten zugeparkt sind und manch Halteverbot ignoriert wird.

Doch dann war plötzlich alles anders. Ich war überzeugt zu träumen. Über Nacht waren tatsächlich „Währinger-Verhältnisse“ in meinem Döbling eingezogen. In der Obkirchergasse sah ich erstmals den Rest einer Kastanienallee, wie sie Gerhard Strejcek aus seiner Kindheit beschreibt, und nicht nur einen kostenfreien Freiluftparkplatz. Der Sonnbergplatz, der jetzt zeitweise mit einem Street-Food Markt wieder größer wird, hatte Platz für eine lebendigere Bezirksentwicklung. Für den Einkauf zu Fuß oder mit dem Rad gab es ausreichend Platz – unglaublich, aber wahr. Schnell ein Beweisfoto machen, bevor mein Traum mit dem Ende des Flohmarkts in der Obkirchergasse wieder zu Ende geht.

Die Straßen in Döbling so umzugestalten, dass mehr Autos Stoßstange an Stoßstange parken können, läuft schon lange. So wurden an dieser Stelle in der Obkirchergasse die Längsparkplätze in Schrägparkplätze geändert. Gehsteigabschrägungen und Parkmarkierung am Gehsteig zu Lasten der schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen ist ebenso gängige Praxis.

Die Straßen in Döbling so umzugestalten, dass mehr Autos Stoßstange an Stoßstange parken können, läuft schon lange. So wurden an dieser Stelle in der Obkirchergasse die Längsparkplätze in Schrägparkplätze geändert. Gehsteigabschrägungen und Parkmarkierung am Gehsteig zu Lasten der schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen ist ebenso gängige Praxis.

Zum Ende meines Traums gehört auch, dass seit Jahren den von Gratisparkenden stark belasteten Bezirksteilen wie Unterdöbling oder Heiligenstadt keine Lösung von Seiten der Bezirkspolitik angeboten wird. Mit dem Währinger Parkpickerl hat sich nun die tägliche Parkplatzsuche, Lärm, Abgase und der Verlust von Öffentlichem Raum weiter verschärft. Letzte Woche sprach sich erneut die Bezirkspolitik mehrheitlich (ÖVP, FPÖ, NEOS) gegen die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung aus und für die Befragung der BewohnerInnen aus allen Bezirksteilen. Nun wird also die Gesundheit und das Wohlergehen derer, die in den belasteten Bezirksteilen leben in einer Befragung mit dem Wohl der Menschen aus den zentrumsentfernteren Bezirksteilen aufgerechnet. Damit stiehlt sich die Bezirkspolitik, aus ihrer gewählten Verantwortung Lösungen für das Gemeinwohl zu finden – schade.

PS: In den letzten Tagen muss ich immer wieder an den wunderbaren Schokoladen-Geruch aus der Bensdorp Fabrik denken, der mir hier als Kind immer wieder in die Nase stieg – ein weitaus schönerer Gedanke als die zunehmenden KfZ-Staus, Parkplatz-Suchenden, den Gestank oder Verkehrslärm wahrzunehmen.