Offener Brief an Döblinger Verkehrskommission

Etliche DöblingerInnen haben sich die letzten Wochen an den Bezirksvorsteher und den Leiter der Verkehrskommission gewandt und eine besserer Radinfrastruktur gefordert.

  • „Wann wird es in Döbling ein Konzept für sichere Verkehrsverbindungen für Radfahrer geben?“
  • „Wann wird man als Familie in Döbling sicher von A nach B radeln können – insbesondere bezirksübergreifend?“
  • „Ich bitte um konkrete Darlegung, ob für Döbling ein Radewegekonzept besteht, wie dieses aussieht und wann es umgesetzt wird?“
  • „Hiermit ersuche ich Sie dringend, sich im Rahmen Ihrer Kompetenzen und politischen Möglichkeiten als Leiter der Verkehrskommission für eine sichere Querverbindung für „normale“ Radfahrer in die Nachbarbezirke Brigittenau und Währing einzusetzen! Was konkret planen Sie diesbüglich im Jahr 2020 zu tun?“

Daniel Resch und Dr. Robert Wutzl haben bekannt gegeben, dass Sie eine Verkehrskommission am 30. Jänner einberufen. Radeln in Döbling hat das zum Anlass genommen und gemeinsam einen offenen Brief verfasst. Letzte Woche wurde er an alle 25 Kommissions- und Ersatzmitglieder verteilt, gestern per E-Mail nachgereicht.

„Wir wenden uns heute im Hinblick auf die kommenden Sitzungen der Döblinger Verkehrskommission mit diesem offenen Brief an Sie. 2013 starteten wir mit unserem überparteilichen Engagement für sicheres Radfahren im Bezirk siehe https://radeln.wien/. Das verständnisvolle Miteinander und die gerechte Unterstützung aller Mobilitätsgruppen ist uns dabei ein großes Anliegen. Für durchgängige Radverbindungen, die uns aus dem Herzen Döblings sicher an die Radanschlüsse zu den Nachbarbezirken bringen, sammelten wir 450 Unterschriften und führten Gespräche mit den Bezirksvorstehern, den Leitern der Verkehrskommission und allen Fraktionen Döblings.

Heute sprechen wir für hunderte Döblingerinnen und Döblinger, die seit vielen Jahren in unserem Bezirk ihren Lebensmittelpunkt haben und sich sicheres Radfahren im Bezirk wünschen. Viele davon haben Kinder, etliche sind in Vereinen aktiv oder dem Bezirk in der einen oder anderen Aktivität verbunden.

Wir nutzen das Fahrrad auf unseren täglichen beruflichen Wegen, für den Einkauf oder in der Freizeit – gerne auch mit unseren Kindern. Dass wir selbst im Winter immer mehr werden, merkten wir auch im Dezember, als wir in wenigen Stunden 400 Radler in Döbling antrafen. E-Bikes (jedes dritte neue Fahrrad ist mit Elektroantrieb), verändertes Mobilitätsbewusstsein (40% aller Wege sind kürzer als 5 km) wie auch ein stärkeres Bedürfnis gesund zu leben, lassen auch in Döbling heute deutlich mehr Menschen im Alltag zum Fahrrad greifen, als das vor 10 Jahren der Fall war.

Radfahren im Alltag stiftet verkehrs-, umwelt- und gesundheitspolitischen Nutzen. Dies wurde im soeben veröffentlichten neuen ÖVP/Grünen-Regierungsprogramm mit dem Plan den Radverkehr in der Stadt bis 2025 von 7 auf 13 Prozent zu erhöhen auch bestätigt. Erreicht werden kann es aber nur mit durchgängiger Rad-Infrastruktur, die auch weniger Geübten ein sicheres Radfahren ermöglicht.

Leider ist sichere Radinfrastruktur im Bezirk Mangelware. Straßenabschnitte wie die Billrothstraße, Krottenbachstraße, Döblinger Hauptstraße oder die Grinzinger Straße sind mit 50 km/h, Schienen, Bus- oder Schwerverkehr Orte, an denen Radfahrende hohen Gefährdungen ausgesetzt sind. Heute gibt es keine einzige durchgehende sichere Radverbindung aus Oberdöbling, Sievering, Grinzing oder dem gesamten Krottenbachtal, bei der diese Straßen nicht benützt werden müssen.

Mit einfachen Maßnahmen, die in der Kompetenz des Bezirks liegen, können sicherere Radverbindungen kurzfristig geschaffen werden:

  • Lückenschluss Skywalk zu Rudolfinerhaus: Mit der Einbahnöffnung Hofzeile Nr. 1-3 stadtauswärts für Radler kann die Route vom Skywalk via Gunesch-Kreindl-Pyrker- und Vormosergasse zum Rudolfinerhaus fertig gestellt werden. Eine Gehsteigverbreiterung für die Schulwegsicherheit wäre dabei auch denkbar.
  • Alternativroute Krottenbachstraße: Öffnung der Hutweidengasse in beiden Richtungsteilen als verkehrsberuhigte Alternative für Radler; In Kombination mit einer sicheren Ausfahrt von der Weinberggasse über den Sonnbergplatz mit RgE Obkirchergasse Nr. 1-17 kann das Befahren der Krottenbachstaße auf ein Minimum reduziert werden.
  • Erreichbarkeit des Q19 via Boschstraße: Öffnen der Boschstraße Nr. 39-55 für eine sichere Verbindung zum Einkaufszentrum anstelle der Heiligenstädter Straße;
  • Erreichbarkeit Hohe Warte: Anbindung von Heiligenstädter Str. Radweg über die geöffnete Einbahn Klabundgasse Nr. 1-11 mit geringster Steigung und geringstem Verkehrsaufkommen Richtung Hohe Warte;
  • Öffnung Pyrkergasse für Radfahrende in beiden Richtungsteilen durchgängig für eine sichere (Einkaufs)Verbindung zw. Döblinger Hauptstraße und Billrothstraße., da zwischen Nusswaldgasse und Gatterburggasse keine Querung hinauf möglich. Stadteinwärts kann damit die Billrothstraße vermieden werden.
  • Öffnung der Cottagegasse Nr. 54-96 für die durchgängige und direkte Radfahrt von Währing nach Döbling mit Vermeidung der gefährlicheren Hartäckerstraße.

Mittelfristig braucht es in Zusammenarbeit mit den Fachdienststellen der Stadt Planungen für ein Radwegbauprogramm auf zumindest zwei Hauptstrecken: Vom Skywalk bzw. vom Gürtelradweg zur Krottenbachstraße weiter zur Friedlgasse, bzw. Sonnbergplatz, bzw. Sieveringer Spitz (Ende des Radstreifens Grinzinger Allee) und umgekehrt. Die zweite fehlende Hauptverbindung liegt zwischen dem Krottenbachtal, Ober-Döbling und der Heiligenstädterbrücke.

In der nun anstehenden Sitzung der Verkehrskommission, wie auch bei anderen Gelegenheiten, haben Sie die Chance, in unserem Bezirk Schritte für bessere Radverbindungen zu setzen. Die Zeit ist reif, alle Mobilitätsgruppen in unserem Bezirk gleichwertig zu unterstützen.

Wir bitten Sie, sich für die angeführten kurzfristigen Maßnahmen für sicherere Radverbindungen in Bezirkskompetenz wie auch für die mittelfristigen Maßnahmen in Stadtkompetenz einzusetzen.

Besten Dank!“